Ermutigung

Autorin: Sr. Annemarie Kirsch OP

In einer Ansprache an Christi Himmelfahrt überraschte mich der Prediger mit der Frage: Was bringt uns, mir Christi Himmelfahrt? Ja was bringt es mir? ein Ausspruch, den man öfter zu hören bekommt. Diese Frage nun an das Handeln Jesu gestellt war mir fremd.

Was bringt es seinen Jüngern, mir, dass Jesus weggeht?

  • Er fordert durch sein Weggehen die Jünger und mich auf, selbst Verantwortung zu übernehmen
  • Er traut es seinen Jüngern, mir zu, dass wir seine Botschaft weitertragen
  • Er stärkt damit ihr, mein Selbstbewusstsein. So wie Eltern ihren Kindern etwas zutrauen und sie ermutigen – du kannst das-
  • Er gibt seinen Jüngern, mir noch einen Trost mit, um die letzten Ängste zu vertreiben, den Hl. Geist

In den Abschiedsreden bei Johannes 14,16 – 18 sagt Jesus den Jüngern: Ich werde den Vater bitten und er wird einen anderen Mutbringer euch geben, um bei euch zu sein – auf Weltzeit hin. Der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht schaut und nicht erkennt … Ihr kennt ihn, denn bleibend ist er bei euch und ist euch inne. Ich will euch nicht als Waisen lassen: Ich komme zu euch.*

*Aus dem Neuen Testament übersetzt von Fridolin Stier

Pfingstfenster

Autorin: Sr. Petronia Steiner OP

Das dem Altarraum unmittelbar benachbarte Fenster in unserer Mutterhauskapelle ist charakterisiert durch eine mächtige Bewegung von oben nach unten. Der göttliche Bereich überschneidet die Trennungsschicht von himmlischem und irdischem Raum. Ein Feuerstrom ergießt sich in unsere Welt, zumal in die Kirche, die durch die umrisshafte Gestalt des Petrus angedeutet wird und durch die blaue Farbe bereits der himmlischen Welt zugeordnet erscheint.

Die Einzigartigkeit und Kostbarkeit dieses pfingstlichen Geschehens bringt der Glasmaler, Georg Günther Zeuner, dadurch zum Ausdruck, dass er das Ganze mit einer „Perlenkette“ umschließt, die nach unten offen, d. h. ohne Ende ist. Die hier gebotene Deutung lehnt sich an eine Einführung des Künstlers selbst an, der aber wünscht, dass sein Werk für jeden Betrachter offen bleibt und nicht auf bestimmte Erklärung festgelegt wird.

Jesus lebt

Autorin: Sr. Lucia Jöckle OP

„Christus ist glorreich auferstanden vom Tod.
Sein Licht vertreibt das Dunkel der Herzen“
(Liturgie der Osternacht)

Das Grab ist leer
gebrochen ist die Macht des Todes
Jesus lebt

Mit dieser Botschaft
geh
aus Nacht und Trauer
aus Zweifel und Angst
in das Licht des Auferstandenen
in die Freude der Jüngerinnen und Jünger

In diesem Glauben
nimm
deinen Weg in den Blick
Du hast ein Ziel

Jesus geht voran
Halleluja

Rechtes Fasten

Die Bibel: Jesaja 58, 6-10

…Das ist ein Fasten, wie ich es liebe:
die Fesseln des Unrechts zu lösen,
die Stricke des Jochs zu entfernen,
die Versklavten freizulassen,
jedes Joch zu zerbrechen,
an die Hungrigen dein Brot auszuteilen,
die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen,
wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden
und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.

Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte
und deine Wunden werden schnell vernarben.

Deine Gerechtigkeit geht dir voran,
die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.
Wenn du dann rufst,
wird der Herr dir Antwort geben,
und wenn du um Hilfe schreist,
wird er sagen: Hier bin ich.
Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst,
auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest,
dem Hungrigen dein Brot reichst
und den Darbenden satt machst,

dann geht im Dunkel dein Licht auf,
und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.

Gedanken zum Fest der Darstellung des Herrn

Autorin: Sr. Carola Kuhn OP

Als Kind mochte ich das Fest Maria Lichtmess – heute Fest der Darstellung des Herrn –  nicht. Ich trauerte, weil der Weihnachtsschmuck weg-, der Christbaum abgeräumt wurde und die Krippe in der großen Kiste verschwand. In der Kirche durfte ich helfen, die Figuren auf den Pfarrhausspeicher zu tragen. Am liebsten hätte ich noch einmal alles berührt, weil es für mich ein echter Abschied von Weihnachten war. Ich wollte diese Zeit mit der schönen Musik, den Weihnachtsgeschichten und -gedichten, den Weihnachtsliedern festhalten.

Das wiederholte sich jedes Jahr und über viele Jahre. Schließlich wurde die nachweihnachtliche Zeit noch verkürzt und das Kirchenjahr ließ keinen Zweifel, dass mit dem Fest der Taufe des Herrn – Sonntag nach dem Dreikönigsfest – die Weihnachtszeit zu Ende ist, auch wenn Stefan Langer schreibt, dass der 2. Februar eigentlich erst „die Abrundung von Weihnachten“ sei.

Aufmerksam stellte ich im Laufe der Zeit fest, dass der Gedanke, wenigstens etwas von Weihnachten festhalten zu wollen, mir in Geschichten und Liedern begegnete,
z. B. in der Geschichte vom Nachweihnachtsengel:
Einer von vielen Weihnachtsengeln durfte zurückbleiben auf dem Schreibtisch, um Weihnachtsfreude für das ganze Jahr zu schenken, oder
z. B. im Lied „Stern über Bethlehem“ wo es in der letzten Strophe heißt:
Stern über Bethlehem, kehr´n wir zurück,
steht noch dein heller Schein in unserm Blick,
und was uns froh gemacht, teilen wir aus.
Stern über Bethlehem, schein auch zu Haus.

Viele Jahre liegen nun zwischen der kindlichen Vorstellung und heute, es könnte immer Weihnachten sein.
Das Fest „Maria Lichtmess“ heißt seit der Liturgiereform “Darstellung des Herrn“. Dieses Fest gehört wesentlich zu Weihnachten.

Das Geheimnis dieses Festes kann prägnanter nicht ausgesagt werden, als es Anselm Grün in seiner Schrift „Heilendes Kirchenjahr“ schreibt:

„Maria opfert ihr Kind dem Herrn. Sie übergibt es Gott. Sie lässt es los und empfängt es wieder neu. Das ist ein Symbol für unsere Menschwerdung. Wir müssen das Wertvollste, das wir empfangen haben, das göttliche Kind in uns, weggeben… Wir dürfen es nicht festhalten. Wir haben kein Anrecht auf die Geburt Gottes in uns, auf das Kind in uns. Wir müssen es erst hergeben, um empfangen zu können …. Das Fest der Darstellung des Herrn zeichnet uns unseren Weg der Selbstwerdung voraus.“

„Wir müssen uns selbst verschenken, um uns zu gewinnen.
Wir müssen alles hergeben, um alles zu bekommen.“

Zitat aus:
„Heilendes Kirchenjahr“ von Anselm Grün OSB / Michael Reepen OSB, Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach.

Bildquelle:
Presentation at the Temple. Stained glass window in St.Michael Cathedral. Toronto. Author: Mayer Co of Munich.