Advent 2013

Autorin: Sr. Annemarie Himpel OP

Komm, Herr

Lächle nicht.
Sage nicht,
dass Du schon bei uns bist.
Es gibt Millionen, die Dich nicht kennen.
Und wohin führt es denn, wenn man Dich kennt?
Wozu dient dein Kommen,
wenn das Leben für die Deinen
weiterläuft, wie es immer war? …
Bekehre uns,
erschüttere uns.
Lass Deine Botschaft
Fleisch von unserem Fleische werden,
Blut von unserem Blut,
wahrer Seinsgrund unseres Lebens.
Sie reiße uns heraus
aus der Geruhsamkeit
des guten Gewissens!
Sie fordere heraus,
sie sei unbequem;
denn nur so
wird sie uns den echten Frieden bringen,
den Frieden, der nicht von dieser Welt ist,
Deinen Frieden! …

Dom Helder Camara
Aus: Die Wüste lebt S. 30
Verlag Styria, Graz 1970

Erntedankfest

Autorin: Sr. Carola Kuhn OP

„Wir pflügen und wir streuen
den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen
steht in des Himmels Hand:
Der tut mit leisem Wehen
sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen,
Wuchs und Gedeihen drauf.
Alle gute Gabe
kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt
und hofft auf ihn.“

Matthias Claudius

Wer um diese Zeit Kirchen besucht, in denen in den nächsten Tagen Erntedank gefeiert wird, kommt angesichts des Kirchenraumschmuckes aus dem Staunen nicht heraus: diese leuchtenden satten Farben, Früchte in ihrer je eigenen Form und Größe, Ähren und daneben Brot, das fertige Produkt, Blumen und Kräuter und vieles mehr. Für diese Fülle, Schätze, Geschenke, „die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit“ kann man nur danken. Jedes Erntedankfest erinnert uns aber auch daran, dass unser ganzes Leben Geschenk ist, Geschenk Gottes für das es zu danken gilt.

Möge uns Gott das Glück der Dankbarkeit schenken, dass wir das Gute, Schöne und Erfreuliche in allem entdecken, schätzen und – mit anderen teilen.

Dominikus

Autorinnen: Annette Schulze und Katja Süß*

Dominikus ist tot
doch sein Geist ist lebendig
die Liebe
der Geist der guten Nachricht
der Geist Jesu
der Geist Gottes
der Geist

er sucht Raum in unserem Leben
damit wir Kreise ziehn …

Kreise des Lebens, nicht des Todes
Kreise der Hoffnung, nicht der Angst
Kreise der Freude, nicht der Trauer

nicht länger um uns selber kreisen
sondern Kreise ziehn …

So werden wir Funken eines neuen Feuers
                           Tropfen eines neuen Regens
Wir werden Sterne eines neuen Himmels
                            Menschen einer neuen Erde
und endlich Kinder unseres Gottes
der unser Leben will

* aus „Wag‘ den Traum zu leben – ein musikalisches Spiel – nicht nur um Dominikus „

Wo suchen Sie Gott

Autorin: Sr. Annemarie Kirsch OP

Als ich ein Kind war,
suchte ich Gott im Himmel
hoch über den Wolken.
Unverwandt blickte ich ins Licht,
das von oben kam.

Als ich heranwuchs,
suchte ich ihn in den Schwestern und Brüdern,
die um mich herum waren.

Als ich in der Mitte des Lebens war,
suchte ich ihn auf den Pisten der Wüste.

Nun da mein Weg zu Ende geht,
genügt es mir, die Augen zu schließen,
und ich finde Gott und den Himmel in mir.

(Carlo Caretto)

Wo suchen Sie Gott?

Im Evangelium (Mt 28,20 in der Übersetzung von Fridolin Stier) ist uns folgende Verheißung gegeben:

Ich bin mit euch durch das All der Tage bis zum Voll-Ende der Weltzeit.

Der Weg nach Emmaus

Autor: Pfarrer Michael Paul

Viele Gemeinden laden am Ostermontag zu einem Emmaus-Gang ein. Dieser Brauch erinnert an den Weg der beiden Jünger nach Ostern, von Jerusalem in das Dorf Emmaus. Allerdings war es damals kein Osterspaziergang. Im Gegenteil, eher ein Weg mit zerstörten Hoffnungen und Träumen, die sich für die beiden nicht erfüllt hatten, denn der erhoffte Erlöser war am Kreuz gestorben.

Doch die Emmaus-Geschichte erzählt auch von einem erlösenden Wendepunkt. Der Unbekannte, der mit den beiden Jüngern unterwegs ist, entpuppt sich als der scheinbar verloren geglaubte Jesus Christus. Schritt für Schritt kommen sie ihm näher. Zunächst mit Blindheit geschlagen, geht ihnen plötzlich ein Licht auf, brennt ihnen das Herz, steigt vor ihnen die nie verlöschende Sonne auf.

Diese Sonne hat nie aufgehört zu strahlen! Jedoch soll das nicht heißen, dass sie für jedermann jederzeit ungestört glänzt. Der Herr hat seiner Kirche und den Seinen, die mit ihr unterwegs nach Emmaus sind, keineswegs eine durchgängige Schönwetterperiode versprochen.

Die kirchliche Wetterlage hat sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert. Da gab es hier und da kreisende Wirbel von Extremen, die Ängste ausgelöst haben, wirkliche und eingebildete um Verlust von Glaubenssubstanz, Tradition und Identität des Katholischen und Gefährdung von Autorität. Manchmal sind Platzregen der Indoktrination niedergegangen, die die Herzen nicht erreicht haben. Es gab Warm- und Kaltfronten einer offenen und sich verschließenden Kirche, es türmten sich Gewitterfronten auf, manchmal gar mit heftigem Blitzen. Bei solchem Wetter mögen viele den Emmaus-Gang nicht auf sich nehmen. Andere wagen es dennoch, da sie der instabilen Wetterlage trotzend in der Kirche die lokalen Aufhellungen und Föhneinbrüche des Heiligen Geistes erkennen.

Mache ich mich mit Christus auf den Weg nach Emmaus oder nicht?

Allen Fröstelnden sei gesagt: Ein strenger Wind erfrischt mitunter; es ist ungesund, wegen der Wetterlage im Kämmerlein privater Frömmigkeit zu bleiben.

Bei schlechtem Wetter den Weg nach Emmaus wagen? Ich greife zu, wärmenden Pullover, hole festere Schuhe heraus und ziehe einen Regenschutz drüber. Als Christ kann man heutzutage gar nicht warm genug angezogen sein.

Am besten nehme ich noch einen zusätzlichen Pulli mit auf den Weg, falls mir unterwegs jemand begegnet, der keinen hat. Wärmende Pullover verweisen auf das unvergängliche Erbe des christlichen Lebens. In den schlimmsten Zeiten, als vieles im Argen lag, haben sich die Jünger Jesu immer um Arme, Behinderte und Heimatlose bemüht, Kranken Medizin gebracht und ihnen Kleidung gegeben.

Machtkämpfe wurden verfochten, konfessionelle Landesknechtsheere wie geistliche Fürstentümer sind nun längst verschwunden, die Liebe aber blieb und mit ihr der wärmende Pullover, der alle Wetter der Geschichte überwunden hat. Es gibt ihn bis heute, in den verschiedensten Mustern, noch immer farbecht, auf den Auslagen unserer Epoche. Man muss sich nur das Passende suchen. Die Nächstenliebe ist so erfinderisch wie eh und je.

Dank meiner festen Bergschuhe ist mir der Zustand des Emmaus-Weges egal. Er kann schmutzig, rutschig oder steil sein. Feste Schuhe für Krisenzeiten verweisen auf tiefere Bildung und ein klares Urteil. Schon Jesus hat seine Kritiker gedrängt, besser zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem, Göttlichem und Menschlichem, Bleibendem und Veränderbarem zu unterscheiden. Wir brauchen heute Bergschuhe aus dem Kernleder des Gotteswortes und der Profilsohle eines bewussten Glaubens. Es muss ein Schuhwerk sein, das mir und meiner Situation angepasst ist. Bequeme Schlafpantoffeln taugen heute wohl kaum, um durch die Schneeverwehungen des Zeitgeistes zu stapfen.

Bleibt der Regenschutz, den ich so oft schon verlegt habe, da man ihn eben nur im Notfall nutzt. In unserer hektischen Epoche verweist er auf die Gabe christlicher Gelassenheit und Geduld und kann viele Schlechtwetterperioden überdauern. Jesus hat wohl keine Regenjacke getragen, aber von der Geduld hat er sehr wohl gepredigt, den Übereifrigen zum Beispiel, die alles Unkraut ausreißen wollten und dabei fast das Weizenfeld zertrampelt hätten. Apropos Regenschutz: Der Regenschutz der Geduld muss nicht unbedingt schwarz und dezent, er kann auch erfrischend sein. Christliche Geduld ist durchaus mit Humor zu verbinden.

Das wären meine Empfehlungen für alle Allwetterchristen, die in diesen Tagen auf den Emmaus-Gängen ihres Lebens unterwegs sind. Sich auf den Weg machen, heißt nicht in Düsternis, Schwarzsehen und Trauer enden, heißt Ostern begegnen.

Es gibt sie, die Augenblicke der erfahrbaren Nähe Gottes, egal wie das Wetter ist. Über allem leuchtet die Sonne des Auferstandenen, der schon längst zu den Seinen unterwegs ist.