Pfingsten

Autorin: Sr. Annemarie Kirsch OP

In der Apostelgeschichte wird uns im Kapitel 2 berichtet, wie vor ca. 2000 Jahren die Anhänger Jesu, die sich nach Jesu Hinrichtung aus lauter Angst in einem Raum versteckten und einschlossen, die Angst überwinden:

  • Sie öffnen die Türen
  • Sie gehen hinaus
  • Sie treten mutig auf
  • Sie finden den Weg zu den Herzen der Menschen

Die Apostelgeschichte bleibt aber nicht bei diesem einmaligen Geschehen stehen. Sie berichtet uns in Kapitel 10 von Petrus, wie seine alten Denkstrukturen – das Heil ist nur für die Juden – aufgebrochen werden. Gottes Angebot gilt allen Menschen!

Der Geist sprengt die Enge

  • des Raumes
  • der Angst
  • des Gesetzesdenkens

Der Geist führt:

  • in die Weite
  • zu neuen Begegnungen
  • zu neuen Beziehungen
  • zu neuem Denken
  • zu neuem Leben

Auch heute!

Pfingsten ist nicht nur ein Ereignis von vor 2000 Jahren. Pfingsten geschieht immer, wenn Menschen im Vertrauen auf Gott ihre Enge überwinden und sich öffnen für ihre Mitmenschen. Für mich hat der Künstler Sieger Köder dies wunderbar ins Bild* gesetzt.

► Bildquellenhinweis

► Schwabenverlag

► Sieger Köder Zentrum

Toten Gedenken

Autorin: Sr. Annemarie Kirsch OP

Wir Christen gedenken im Monat November, wenn das Licht bei uns abnimmt, der Toten. In diesem Gedenken steht nicht die Trauer an erster Stelle, sondern die Ahnung und das Vertrauen, der Tod ist nicht das Ende, er ist Durchgang zu vollem Leben.

Mit Jesus ist ein Lichtstrahl in unser Leben und Sterben gedrungen, der uns die Fülle des Lebens erahnen lässt und den Tod als Tor zum Leben.

Im Gedenken an die Toten nehmen wir unser Ziel, die Fülle des Lebens, in den Blick.

St. Josef

Autorin: Sr. Petronia Steiner OP (Text auszugsweise)

Die Holzplastik* zeigt Josef als Schreitenden. Sobald er Gottes Wort vernommen und verstanden hat, sind Leib und Geist nur noch Bewegung, um die empfangene Weisung zu vollziehen. Vom Anhauch göttlicher Kraft wird die ganze Gestalt fast schwerelos; die Füße brauchen keinen Halt mehr auf irdischem Boden; die Hände sind frei, an nichts in dieser Welt gebunden; unter den Fittichen des Allmächtigen weiß er sich und die Seinen beschützt und geführt.

Was will uns der hl. Josef hier und heute sagen?

  • Wie immer steht sein väterliches Herz offen für alle menschlichen Nöte, Zweifel und Ängste
  • Familienleid und Alltagssorge sind ihm nicht fremd
  • Er weiß um die Bedrohung durch geheime und offene Feinde
  • Er kennt die Ungeborgenheit des wehrlos Verfolgten auf der Flucht
  • Er ist bereit, auch uns auf unseren Wegen zu begleiten, unsere Lasten tragen zu helfen, unsere Schmerzen zu lindern.

Doch unsere Plastik will uns über all diese Nöte, ja über die Enge unseres Menschseins überhaupt hinausheben.

Josefs Beispiel sagt uns:

  • Gib dich und all deine Sorgen in Gottes Hand
  • Halte in jeder Lage Ausschau nach seinem Willen
  • Sei aufbruchbereit, wenn du zu neuen Aufgaben oder auf unbekannte Wege gerufen wirst
  • Achte im Alltag jederzeit auf die Bedürfnisse deiner Mitmenschen!

… Dann wird dein Herz weit und dein Leben groß, weil sie eins sind mit Gottes Gedanken und liebender Sorge für die Welt.

* Die Holzplastik des hl. Josef von Georg Günther Zeuner (1923 – 2011) hängt in der Mutterhauskapelle Vincentiusstr. 4, in Speyer.

Der neue Weg

Autorin: Sr. Rosemarie Rinck OP

Am Ende seines Evangeliums überliefert uns Markus im 16. Kapitel das letzte Vermächtnis Jesu an seine Jünger. Er schreibt:

Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet die Frohe Botschaft allen Menschen!

Diese Aufforderung Jesu gilt auch für uns im 21. Jahrhundert. Auch uns sagt Jesus: Geht hinaus!

Geht hinaus in die ganze Welt …

Das heißt für uns:

  • Geht! Bleibt nicht zu Hause!
  • Geht  hinaus aus eurem engen Blickwinkel, werdet weit und geht in die Welt mit offenen Augen, mit offenen Ohren, mit offenem Herzen, ohne Vorurteile, mit Ehrfurcht vor den Menschen, zu denen ihr geht!
  • Geht als einer von ihnen zu den Menschen, nicht als Besserer, als Höherer, als einer, der belehrt , sondern als ein Mensch, der um seine Grenzen weiß!
  • Geht als ein Mensch der Liebe, der Liebe zu Gott und zu den Menschen, als ein Mensch, der den anderen anschaut mit Augen, die Gottes Liebe zeigen, erfüllt von der Freude über den Auftrag Jesu!
… und verkündet die Frohe Botschaft …

(das Evangelium von Jesus, seine Botschaft von der Güte, der Barmherzigkeit und der grenzenlose Liebe Gottes.)

Das heißt für uns:

  • Verkündet mit und ohne Worte, durch euer Leben, euer Verhalten, eure Glaubwürdigkeit!
  • Verkündet von Gott all das, was Jesus den Menschen von Gott erzählt hat!
  • Verkündet Gottes Taten und seine Worte, nicht euch und eure Ideen!
  • Verkündet als Mund für Gottes Wort, dankbar, dass ihr von Gott Zeugnis geben dürft in eurer menschlichen Armseligkeit!
  • Verkündet überzeugt, menschennah, mit Freude und ehrlich!
… allen Menschen!

Das heißt für uns:

  • Schließt niemanden aus eurer Verkündigung aus, geht zu allen, egal ob reich oder arm, berühmt oder unbekannt, verachtet oder geehrt, für alle Menschen will Gott da sein!
  • So wie die Liebe Jesu den Randgruppen, den Ausgegrenzten, den Verachteten, den Zöllnern und Sündern galt, so heißt das für uns heute: Geht zu denen am Rande, zu denen, die von Gesellschaft und Kirche ausgegrenzt werden, die keine Lobby haben, mit denen keiner etwas zu tun haben will, denn sie alle gehören zu euch und Gott liebt sie.
  • Behandelt die Menschen, alle Menschen, mit Achtung, Ehrfurcht und ohne Vorurteile. Achtet ihre Freiheit, setzt keinen unter Druck!
Bedenkt: Gott lebt in jedem!

Ihr seid das Licht der Welt

Autorin: Sr. Annemarie Kirsch OP

Die Tage werden kürzer, die Nächte länger und dunkler. Gegen diese Dunkelheit setzen wir eine wahre Lichterflut: Straßen, Häuser, Wohnungen werden mit Lichtern dekoriert.. Unser Hunger nach Licht ist sehr groß. Die Dunkelheit verunsichert uns, wenn nicht sogar Angst und Panik unsere Reaktion auf die Dunkelheit sind. Denn Konturen und Farben verschwinden im Dunkeln und damit wesentliche Orientierungsmöglichkeiten. Wir können uns nur vorsichtig vorantasten.

Sie und ich, wir kennen auch eine innere Dunkelheit, die sehr vielfältig sein kann: Zum Beispiel beim Tod  von lieben Menschen, durch Entfremdung, durch eigene Krankheiten, Krankheit von Familienmitgliedern, Freundinnen und Freunden, durch scheinbar ausweglose Lebenssituationen, Arbeitslosigkeit, Überforderung. Es ließe sich noch vieles anführen. Wir sagen in solchen Situationen, wir sehen schwarz.

Diese Dunkelheiten gehören zu unserem Leben wie der Wechsel von Tag und Nacht zum Ablauf jeden Tages.

Jesus war als Mensch wie wir diesen Dunkelheiten ausgeliefert. Er ruft uns zu: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Er macht uns aufmerksam auf unsere Fähigkeit, einander Licht zu sein. Wie können wir , Sie und ich, Licht der Welt sein? Dieser Frage möchte ich mit Ihnen nachgehen:

  • Erhellt sich nicht unser Gesicht, wenn wir freundlich angesprochen oder auch nur angelächelt werden?
  • Strahlen wir nicht, wenn wir Liebe und Freundschaft erfahren?
  • Spüren wir nicht Wärme, wenn uns jemand in unserer Trauer beisteht?
  • Bei guter Beratung geht uns ein Licht auf. Hoffnung leuchtet auf, wenn uns in scheinbar ausweglosen Situationen jemand den Weg weist.

Ich bin überzeugt, wir haben alle viele Erfahrungen, in denen Mitmenschen für uns Licht oder wir für sie Licht waren. Schon im Alten Testament finden wir bei Jesaja eine Beschreibung, wie wir Menschen Licht der Welt sein können.

Bei Jesaja 58,6b-10 lesen wir: „Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemanden verleumdest, dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel ein Licht auf, und deine Finsternis wird hell wie der Tag.“

Lassen wir uns einladen, unser Licht  nicht unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter zu stellen, wie es in der Bibel bei Matthäus heißt.

Ihre Herzlichkeit und Wärme in Begegnungen, Ihre Ermutigung, Ihr Lächeln, Ihr aufmerksames Zuhören, Ihr Rat, Ihre Ideen, Ihre helfende Hand, Ihr gutes Wort, Ihr Trost, Ihre ansteckende Freude, Ihr Beistand, Ihr Ausharren bei Menschen in Not – Sie können diese Liste selbst fortsetzen – machen unsere Welt heller.