Raum werden lassen

Autorin: Katja Süß

„Den Atem beobachten“ gehört zu den Übungen des Kurses, der mich durch die Fastenzeit begleitet. Sie ist verbunden mit dem wertvollen Hinweis, dass wir den Atem an vielen Stellen des Körpers wahrnehmen können und es gilt, sich für einen Beobachtungspunkt zu entscheiden.

Also liege ich auf meinem Bett und schaue zu, wie sich die Bauchdecke hebt und senkt. Und dann nehme ich wahr, dass das Heben der Bauchdecke zum selben Zeitpunkt beginnt wie das Einatmen, wenn nicht vorher:

Es ist also gar nicht, wie ich immer glaubte, die einströmende Luft, die die Bauchdecke hebt, es ist der sich auftuende Raum, der den Atem einströmen lässt.

Vielleicht gehört das zum Wesentlichen am Fasten: Raum werden zu lassen, damit das neue Leben, der Atem Gottes, der lebendig macht, einströmen kann.

Text und Grafik: Katja Süß, Lehrerin an einem Koblenzer Gymnasium und Mitglied der Dominikusgruppe Speyer, einer dem Institut St. Dominikus angegliederten dominikanischen Laiengemeinschaft.

das WARUM…

Autorin: Annette Schulze

immer wieder reißt es mich um
das WARUM
nach dem ich fragen muss
auch wenn ich keine antwort finde

immer wieder bringt es mich an die grenze
das leid
das ein mensch aushalten muss

immer wieder scheint die welt zu zerbrechen
in der sinnlosigkeit
an der ich auch zerbrechen kann

nur im da sein
im mit sein
im aushalten
kann ich sinn erkennen

nichts gut reden
– das WARUM stehen lassen

nichts gut machen aber das leid mit tragen

Text: Annette Schulze (Klinikseelsorge BG Unfallklinik Ludwigshafen)
Foto: Wieland Gerhardt

möge weihnachten dir unter die haut gehen

Autorin: Katja Süß

möge weihnachten dir
unter die haut gehen
die durchlässig gewordene

möge das kind
der neue anfang
die liebe ohne schutzpanzer
dir zur heimat werden

in der du
geborgen bist
jeden augenblick
deines lebens

Text und Bild: Katja Süß, Lehrerin an einem Koblenzer Gymnasium und Mitglied der Dominikusgruppe Speyer, einer dem Institut St. Dominikus angegliederten dominikanischen Laiengemeinschaft.

Advent Puzzle

Autorin: Annette Schulze

Eine Zeit, in der täglich ein Türchen am Adventskalender geöffnet oder ein Päckchen ausgepackt wird. Mit jedem Tag wird der Kalender leerer und die Zeit „voller“. Sie rückt immer weiter an Weihnachten heran. Im Grunde könnte ich mir die Adventszeit auch wie ein Puzzle vorstellen, das in Erwartung auf das Weihnachtsfest mit jedem Tag ein Stück wächst. Vielleicht sieht jeder Tag ganz ähnlich aus, vielleicht bringt aber auch jeder Tag seine eigene Facette mit in das Gesamtbild ein, das ganz allmählich wächst. Dieses Bild wird in diesem Jahr anders aussehen als im letzten. Ich habe mich in diesem Jahr verändert, und ich bringe die Bereitschaft mit, dass auch die kommenden Adventstage mich verändern können. Ich möchte die Teile meines Adventspuzzles bewusst zusammenfügen. Die mir vorgegeben sind mit manchen Terminen und Aufgaben, aber auch die, die ich selbst gestalten kann. Ich möchte der Stille ein Teil reservieren – oder auch ein paar – dem Zusammensein mit Menschen, die ich gern habe, die Musik soll vorkommen in meinem Adventspuzzle und manches andere…

Vielleicht haben Sie Lust, für sich zu überlegen, was Sie mit hineinnehmen möchten in Ihren Advent… Und wie immer Ihre Puzzleteile dieses Jahr aussehen: ich wünsche Ihnen, dass jedes einzelne Teil, jeder einzelne Tag Sie ein Stückchen näher an das Ganze führt, zur „Ankunft“ auf der Welt und in Ihrem Leben.

Text: Annette Schulze (Klinikseelsorge BG Unfallklinik Ludwigshafen)
Bild (Original): Lilla Frerichs [Link]

Beschenkt

Autorin: Sr. Annemarie Kirsch OP

Ich fühle mich reich beschenkt mit:

Sonnenschein
Regen
Wind
Luft
Wasser
Schnee

Beschenkt mit:

Rosenduft
Veilchen
Gänseblümchen
Schatten spendenden Bäumen
Duftenden Äpfeln
Erdbeeren
Trauben
Wogenden Getreidefeldern

Beschenkt mit:

Stunden
Tagen
Nächten
Jahren

Wenn ich alles aufzählen wollte,
ich käme an kein Ende.

Beschenkt mit L e b e n

Ich sage nur

Danke