Dankbarkeit…

Autorin: Annette Schulze

Dankbar sein – da kommt mir gleich die Frage “wofür?” in den Sinn.
Wofür danken, wenn ich doch meinem Lebensgefühl nach nichts bekomme?
Wenn es sich anfühlt, als würde mir immer wieder etwas genommen werden … ?

Wofür danken, wenn eine Beziehung auseinander geht?
Wofür danken, wenn der Körper nicht mehr funktioniert wie bisher?
Wofür danken, wenn ich fürchten muss, in der Gleichgültigkeit und Aggressivität um mich herum unterzugehen?

All diese Fragen und Gefühle sind berechtigt. Leben ist nicht glatt, einfach und nett.
Der Rebstock, manchmal auch „Knorzen“ genannt, zeigt uns die Mühen und auch die Härte des Lebens im Bild auf. Er ist knorrig, gebogen, beschnitten, und er ist brüchig, nicht einfach nur stark oder hübsch anzusehen. Und trotzdem bringt er auf seine unscheinbare Weise Früchte hervor – saftig und süß.

Vielleicht kann das Bild des Weinstocks uns anregen, zu danken … für den Geschmack, für die Farben, für die Fülle des Lebens, die uns begegnet – in Trauben und Blumen und Menschen.
Vielleicht können wir trotz aller Fragen „DANKE“ sagen. Trotz allem Negativen die Perspektive des Beschenktwerdens einnehmen. Trotz allem, was dagegen steht, dem Leben trauen, weil es uns einlädt, lebendig zu sein, zu bleiben, zu werden…

Text: Annette Schulze (Klinikseelsorge BG Unfallklinik Ludwigshafen)
Foto: Friedbert Simon (www.pfarrbriefservice.de)

Herz Jesu – geöffnet für alle

Eine Darstellung mit Biblischen Erzählfiguren

Autorin: Sr. Theresa Ludwig OP

Gebet

Verstehe ich dich richtig,
Bruder am Kreuz,

dass du mir sagen möchtest:

Ich liebe dich.

Ich umarme dich.

Ich ziehe dich fest
an meine Seite, 

an mein Herz. 

Bei mir bist du geborgen

und aufgehoben für immer. 

Gestaltung mit Biblischen Erzählfiguren: Sr. Theresa Ludwig OP, Sr. Veronika Waschik OP, Sr. Gerburg Küsters OP

Gebet: Theo Schmidkonz SJ

Mitsommermittag

Autorin: Katja Süß

Mitsommermittag
am Seerosenteich

Kaum Sonne
kein Regen
Grün über Grün
allenthalben

und Stille getragen vom
Gezwitscher der
Vögel

in der Ferne
ein Flugzeug
ab und an
quakt der Frosch

für unbestimmte Zeit
bleibt die Zeit
stehen

trete ich
falle ich
heraus
aus dem Vorher und Nachher

schaue lausche
spüre
bin
GEGENWART

Text (zuerst veröffentlicht in „Kleines Glück ganz groß“ , Verlag am Eschbach 2016) und Druck: Katja Süß, Lehrerin an einem Koblenzer Gymnasium und Mitglied der Dominikusgruppe Speyer, einer dem Institut St. Dominikus angegliederten dominikanischen Laiengemeinschaft.

Das große Und

Autorin: Katja Süß

Ein Baum – zur Hälfte gezeichnet von Wind und Wetter,
von Sturm, vielleicht Blitz wie vernichtet
und zugleich ein Bild blühenden Lebens
umschwirrt von Bienen und umhüllt vom jungen Grün der Wiesen.

Ein Bild für das große UND unseres Seins, wie es sich für mich auch im Schwarz-Weiß des dominikanischen Lilienkreuzes und des Habits der Brüder und Schwestern des Dominikanerordens spiegelt und wie es sich verdichtet im Auferstandenen, der an seinen Wunden erkannt wird:

Dunkel und Licht, Ende und Neubeginn, Tod und Leben, umfangen von jener Wirklichkeit, die wir Gott nennen, aus der wir kommen, in der wir leben und in die wir gehen.

Mögen wir
in den Stürmen des Lebens
den Wurzeln trauen
die uns halten

Mögen wir
in den Wintern unseres Lebens
dem Schmerz
und der Ohnmacht
gewachsen sein

Und mögen wir
einander erinnern
und ermutigen
dass das Leben dennoch
immer aufs Neue
frühlingsknospengleich
an unsere Tür klopft
und alle Narben und
wunden
durchblühen
will
und
kann

Text und Bild: Katja Süß, Lehrerin an einem Koblenzer Gymnasium und Mitglied der Dominikusgruppe Speyer, einer dem Institut St. Dominikus angegliederten Dominikanischen Laiengemeinschaft.

Segne mein Dunkel

Autorin: Annette Schulze

mein dunkel
segne mit einem funken deines lichts

meine schwere
mit einem flügelschlag
deiner leichtigkeit

meine leere
mit einem moment
aus deiner fülle

meine sehnsucht
segne mit einem augenblick leben

und lass die dornen meines weges
entgegen meiner erwartung
rosen tragen

Adventliche Gedanken – wenn die Dornen Rosen tragen – und doch ist das auch ein Bild für die Auferstehung. Neues Leben trotz Leid und Tod, eine Blüte, die sich öffnet, obwohl die Dornen verletzen und Schmerz verursachen.

Vielleicht kann Ostern in diesem Jahr ein Fest des „anderen“ sein – ein Fest, an dem auch das „andere“ sein darf. Wenn wir auch dem Dunkel, der Leere, der Last zugestehen, dass sie sein dürfen in unserem Leben, können wir frei werden und müssen nicht (mehr) gegen sie kämpfen.

Dann kann auch das Licht uns erreichen und die Leichtigkeit und das Leben und vielleicht beginnt die Sehnsucht zu blühen.

Das wünsche ich uns – nicht nur an Ostern!

Text und Foto: Annette Schulze (Klinikseelsorge BG Unfallklinik Ludwigshafen)