Nur für heute

Autorin: Sr. Annemarie Kirsch OP

Die Fastenzeit – Österliche Bußzeit ist eine Zeit, die uns einlädt, uns auf das Wesentliche zu besinnen, unsere Lebenspraxis zu überprüfen. Für einige ist sie Anlass, den Umgang mit der eigenen Gesundheit zu überprüfen und zu ändern. Andere nehmen ihr Sozialverhalten in den Blick. Wieder andere sind bereit, ihr Leben bewusst aus der Perspektive des Evangeliums zu betrachten. Bei allen Ansätzen geht es darum, unsere Lebensqualität unter die Lupe zu nehmen und zu verbessern. Oft scheitert die Umsetzung der Erkenntnisse an dem Blick auf die Zeitspanne. Dabei sind die wirklichen Veränderungen für unser Leben nicht mit einer Befristung von 40 Tagen erledigt. Aber der Blick auf einen unbegrenzten Zeitraum ermutigt nicht, sich auf diesen Weg einzulassen.

Der Text von Papst Johannes XXIII. – Sich nur für heute etwas vorzunehmen – eröffnet uns einen anderen Weg.

Nur für heute
werde ich mich bemühen,
den Tag zu erleben,
ohne das Problem meines Lebens
auf einmal lösen zu wollen.

Nur für heute
werde ich mich
den Gegebenheiten anpassen,
ohne zu verlangen,
dass sich die Gegebenheiten
an meine Wünsche anpassen.

Nur für heute
werde ich etwas tun,
wozu ich eigentlich keine Lust habe.

Nur für heute
werde ich nicht danach streben,
die anderen zu verbessern –
nur mich selbst.

Nur für heute
werde ich in der Gewissheit glücklich sein,
dass ich für das Glück geschaffen bin.

Nur für heute
werde ich eine gute Tat vollbringen.

Nur für heute
werde ich zehn Minuten meiner Zeit
einem guten Buch widmen.

Nur für heute
werde ich keine Angst haben.

Nur für heute
werde ich glauben,
dass Gott für mich da ist,
als gäbe es sonst niemanden in der Welt.

Ich will mich nicht entmutigen lassen
durch den Gedanken,
ich müsse dies alles
mein ganzes Leben lang durchhalten.

Nur für heute
ist es mir gegeben,
das Gute während zwölf Stunden
zu wirken.

Versuchen Sie es einmal – nur für heute – Ihrem Leben eine Orientierung zu geben.

Lichtmess 2014

Autorin: Sr. Carola Kuhn OP

Kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn. (Jes 2, 5)

Viele von Ihnen kennen das Märchen: Die Halle der Welt mit Licht füllen. Kurz der Inhalt: Ein König hatte zwei Söhne. Als er alt geworden war, stellte er beide auf die Probe, um zu sehen, wem er sein Reich und die Herrschaft übertragen könnte. Für eine bestimmte Summe Geld sollten sie bis zum Abend die Halle des Schlosses füllen, womit, ließ er frei. Der eine füllte sie mit Stroh. Der andere ließ am Abend die Halle leeren, stellte in die Mitte des Raumes eine Kerze und zündete sie an. Der Schein füllte die dunkle Halle bis in den letzten Winkel. Da sagte der Vater: „Du sollst mein Nachfolger sein, Du hast die Halle mit dem gefüllt, was die Menschen am notwendigsten brauchen – nämlich Licht.“

Licht – es steht für Leben, Helle, Wärme, Freude, Frieden, Leichtigkeit, Hoffnung, Glück. Wer sehnt sich nicht danach? Manchmal scheint der Schatten im Alltag übermächtig groß und verdeckt das Gute. Aber Licht ohne Schatten ist nur in Ihm. Als Christen haben wir die Zusage: „Ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages.“ Für uns heißt es also, heraustreten aus der Finsternis, aus der Macht des Bösen und Werke des Lichtes tun. Das Licht des Evangeliums hat die Kraft all das zu geben, was die Menschen am notwendigsten brauchen: Hilfe, Aufmerksamkeit, Trost, Bestärkung, Ermutigung, Freude. Vertrauen wir darauf, all das schenken zu können, wenn wir uns von Jesaja auffordern lassen:

„Kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn.“ (Jes 2, 5 )

Ehre sei Gott

Autorin: Sr. Annemarie Kirsch OP

Ehre sei Gott

Ehre sei Gott in der Höhe!
Ehre sei Gott in der Tiefe!
Ehre sei Gott
in dem Abgrund unseres Menschseins!

Im Himmel können wir Dich nicht erreichen.
Damit wir Dir begegnen können,
bist Du zu uns herabgestiegen.

Ehre sei Dir Gott in der Tiefe!
Dort begegnest Du uns.
Du bist unser tragender Grund.

Ehre sei Gott
in dem Abgrund unseres Menschseins!

Ehre sei Gott

Advent 2013

Autorin: Sr. Annemarie Himpel OP

Komm, Herr

Lächle nicht.
Sage nicht,
dass Du schon bei uns bist.
Es gibt Millionen, die Dich nicht kennen.
Und wohin führt es denn, wenn man Dich kennt?
Wozu dient dein Kommen,
wenn das Leben für die Deinen
weiterläuft, wie es immer war? …
Bekehre uns,
erschüttere uns.
Lass Deine Botschaft
Fleisch von unserem Fleische werden,
Blut von unserem Blut,
wahrer Seinsgrund unseres Lebens.
Sie reiße uns heraus
aus der Geruhsamkeit
des guten Gewissens!
Sie fordere heraus,
sie sei unbequem;
denn nur so
wird sie uns den echten Frieden bringen,
den Frieden, der nicht von dieser Welt ist,
Deinen Frieden! …

Dom Helder Camara
Aus: Die Wüste lebt S. 30
Verlag Styria, Graz 1970

Erntedankfest

Autorin: Sr. Carola Kuhn OP

„Wir pflügen und wir streuen
den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen
steht in des Himmels Hand:
Der tut mit leisem Wehen
sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen,
Wuchs und Gedeihen drauf.
Alle gute Gabe
kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt
und hofft auf ihn.“

Matthias Claudius

Wer um diese Zeit Kirchen besucht, in denen in den nächsten Tagen Erntedank gefeiert wird, kommt angesichts des Kirchenraumschmuckes aus dem Staunen nicht heraus: diese leuchtenden satten Farben, Früchte in ihrer je eigenen Form und Größe, Ähren und daneben Brot, das fertige Produkt, Blumen und Kräuter und vieles mehr. Für diese Fülle, Schätze, Geschenke, „die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit“ kann man nur danken. Jedes Erntedankfest erinnert uns aber auch daran, dass unser ganzes Leben Geschenk ist, Geschenk Gottes für das es zu danken gilt.

Möge uns Gott das Glück der Dankbarkeit schenken, dass wir das Gute, Schöne und Erfreuliche in allem entdecken, schätzen und – mit anderen teilen.