Es geht nicht an

Autorin: Annette Schulze

Es geht nicht an, dass Gott Mensch wird
und alles bleibt, wie es ist.

Es geht nicht an, dass Gott Mensch wird
und kein Mensch lässt ihn ein.

Es geht nicht an, dass Gott Mensch wird
und kein Mensch wird anders.

Es geht nicht an, dass Gott Mensch wird
und die Welt geht ihren Gang.

Es geht nicht an, dass Gott Mensch wird
und Kinder weinen noch immer.

Es geht nicht an, dass Gott Mensch wird
und Menschen abseits stehen müssen.

Es geht nicht an, dass Gott Mensch wird
und keinem Menschen geht ein Licht auf.

(Werner Schaube)

Mit dem Anspruch, die Advents- und Weihnachtszeit als besinnliche Zeit erfahren zu müssen, setzen wir uns selbst unter Druck. Plätzchen backen, Grüße schreiben, Päckchen verschicken – die schönen Traditionen machen unsere Alltage noch voller. Aber das Geheimnis von Weihnachten ist im Grunde ganz einfach: Gott wird Mensch – mitten in unserer Welt, mitten in unserem Leben. Und wenn uns mit diesem Geheimnis ein Licht aufgeht, wird sich etwas ändern in unserem Leben und in unserer Welt.

Gott wird Mensch, Gott schaut uns an – in der alten Dame, die ihren Hund ausführt, aus dem Kinderwagen der jungen Familie von nebenan und auch über Theken und Marktstände hinweg. Nicht zuletzt schaut Gott uns entgegen, wenn wir uns selbst im Spiegel betrachten.

Weihnachten heißt, dass Hirten und Könige, Menschen und Tiere ihren Platz an der Krippe haben. Es geht nicht an, dass Gott Mensch wird und alles bleibt, wie es ist.

Probieren wir doch mal aus, was wir verändern können, indem wir einander anders begegnen, weil Gott uns begegnet – jeden Tag neu.

Erntedank, ein Fest für alle Sinne

Autorin: Sr. Annemarie Kirsch OP

Mit dem Erntedank begehen wir ein Fest für alle Sinne. Die Fülle der Früchte, ihre Farbenpracht, ihre Düfte, ihr Wohlgeschmack, all dies genießen wir im Herbst in besonders intensiver Weise. Dies regt uns an, an diesem Fest, die Frucht unserer menschlicher Arbeit, aber nicht nur diese zu feiern.

Denn das meiste ist uns geschenkt.
Samen
Wetter, Sonne, Regen, Wind
selbst das Leben eines jeden von uns
unsere Fähigkeiten, die wir zwar entwickeln aber nicht machen können
das positive Zusammenwirken vieler Menschen
friedliches Zusammenleben

Sich dessen bewusst zu werden, zeichnet uns Menschen aus. Das Erntedankfest bietet uns einen geeigneten Anlass dazu.

Anselm Grün sagt: „Dankbarkeit macht den Menschen aus.
Der Undankbare ist noch nicht wirklich Mensch geworden.“

Dankbarkeit öffnet uns Sinn und Herz für Gott, Welt und Mensch.

Meine Seele lobt dich, Gott

Autor: Eugen Eckert

Meine Seele lobt dich, Gott,
und mein Geist freut sich
an den Wundern, die du tust.

Ich liege auf grüner Aue
und tauche in dein Himmelsblau.
Der Wind spielt mit den Wolken
gibt ihnen Gestalt
und löst die Formen wieder auf.
Sie ziehen weiter, wer weiß wohin?

Meine Seele lobt dich, Gott,
und mein Geist freut sich
an den Wundern, die du tust.

Ich liege auf grüner Aue
und tauche auf im Himmelsblau.
Nach Luft lechzt meine Lunge.
Tief atme ich ein
und atme ganz langsam wieder aus.
Ich lebe gerne, jetzt und hier.

Meine Seele lobt dich, Gott,
und mein Geist freut sich
an den Wundern, die du tust.

Ich liege auf grüner Aue
und weiß dich nah im Himmelsblau.
Dein Hauch verleiht den Atem,
der mich belebt
und mit mir alle Kreatur.
Beatme mich: Wind, Luft, Geist, Gott,
du Lebensspur.

Aus: Sommerfrische für die Seele – Ein spiritueller Urlaubsführer
von Eugen Eckert und Sigurd Rink
Kreuz – Verlag ISBN 3451610582

Pfingsten das Fest des Hl. Geistes

Autorin: Sr. Annemarie Kirsch OP

Wir feiern an Pfingsten das Fest des Hl. Geistes.
Wir feiern den Geist
der Leben schafft;
in Dunkelheit Licht bringt;
in Kälte Wärme spendet;
in Krankheit Heil schenkt;
in Trauer tröstet;
im Streit Versöhnung ermöglicht.

Er führt uns durch unsere lebensfeindlichen Situationen.
Wir müssen ihn nicht erkämpfen.
Wie der Atem ist er uns geschenkt.
Wir müssen nur offen sein.

Er ist die mütterliche Seite Gottes.
Pfingsten ist ein Fest, das uns zur Quelle unseres Lebens führt.

Auferstehung

Autorin: Ingrid Penner

Auferstehung ist

trotz aller Kriege der Welt – Lieder des Friedens singen
trotz aller Zukunftsängste – die Freude am Heute nicht verlieren
trotz aller Dunkelheiten der Seele – Lichter der Hoffnung entzünden
trotz wiederholten Fallens – immer wieder aufstehen
trotz aller versklavenden Mächte – die Freiheit wagen
trotz aller Leiden der Welt – an die Gegenwart des Himmels glauben
trotz aller Tode im Alltag – dem Leben zum Aufbruch verhelfen

Auferstehung ist
das T R O T Z D E M des Neubeginns gegen alle scheinbaren Endgültigkeiten.

Text: aus GOTTES VOLK Lesejahr B 4/2006
Bibel und Liturgie im Leben der Gemeinde
Verlag Katholisches Bibelwerk

Gemälde und Foto: Katrin Stelzmann