Schwester M. Ancilla Hüther

Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden,
so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden.
Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir,
dass wir auch mit ihm leben werden.
1Kor 15,49 und Röm 6,8

In den Morgenstunden des 20. Februar 2022
rief Gott im Mutterhaus in Speyer
unsere liebe

Schwester M. Ancilla Hüther OP

im 85. Jahre ihres Lebens
im 59. Jahre ihrer hl. Profess
zu sich heim

Für die Schwestern des Instituts St. Dominikus Speyer:

Sr. M. Gisela Bastian OP Generalpriorin

Die Angehörigen

Speyer, Contwig, den 20. Februar 2022


“ immer auf dem Weg“


An kaum einem anderen Ort wird mir die Unterschiedlichkeit von Menschen so deutlich wie in einem Zug. Ruhebereich oder Handyzone, Abteil oder Großraumwagen, Wasserflasche, Kaffeebecher oder ein Piccolofläschchen Sekt. Sicher, die einen sind auf dem Weg zu einer Fortbildung, einer beruflichen Besprechung, die anderen wollen zum Fußballspiel oder fahren zu ihrem jährlichen Mädelswochenende. Spannend, so eine ganze Zeit zu sitzen und zu beobachten, was passiert, wie Menschen sich begegnen, unterhalten, ärgern oder freuen.

Für mich stellt sich dann auch die Frage: wer bin ich mitten in all den anderen? Was macht mich aus, was ist mir wichtig?

Mir darüber klar zu werden, macht einen Unterschied- im Zug, aber auch nach dem Ankommen, wenn ich aus der Masse unbekannter Gesichter und Personen wieder auftauche und meine Schritte gehe, meine Entscheidungen treffe.
Eine Gelegenheit von vielen, wahrzunehmen, abzugrenzen, anzunehmen und ein Stückchen mehr zu mir selber zu finden… immer auf dem Weg.

Text: Annette Schulze Pastoralreferentin, Klinikseelsorgerin,   Geistliche Mentorin
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Das heilige Feuer hüten

Von Dominikus geht die Legende, dass seine Mutter vor seiner Geburt träumte, das Kind, das sie zur Welt bringen würde, sei ein kleiner, schwarz-weiß gefleckter Hund, mit einer Fackel im Maul. Und tatsächlich hatte Dominikus Feuer, brannte er dafür, dass Menschen so glauben konnten, dass es sie frei und lebendig werden ließ.
Am 1. Februar feiern wir das Fest der heiligen Bridgid von Kildare. Auch in ihr brannte dieses Feuer, und die, die sie erlebt hatten, veranlassten, dass nach ihrem Tod eine Flamme entzündet wurde, die nie verlöschen sollte.
Gerade in diesen Februartagen, in denen das Licht langsam wiederkehrt, der Frühling schon zu ahnen, aber der Weg bis dorthin noch so lang ist, in dieser vierten Welle der Pandemie, die es zu bestehen gilt, brauchen wir die Erinnerung an das Feuer in uns, das da ist, unter wieviel Asche auch immer verborgen:

dass du dich
des feuers erinnerst
dass du in dir trägst,
das wünsche ich dir

der flamme
die dem leben dient
in dir
und anderen

dass du nicht müde wirst
unter der asche der tage
der erschöpfung
der fragen

den heiligen funken
zu suchen
zu finden
und neu anzufachen
zum feuer
das dich und mich
durch die nacht bringt

(Meiner Freundin Monika gewidmet, mit der mich die Liebe zum Irischen verbindet, und allen, denen die Pandemie alle Kräfte abverlangt)

Bild und Text: Katja Süß, Lehrerin an einem Koblenzer Gymnasium und Mitglied der Dominikusgruppe Speyer, einer dem Institut St. Dominikus angegliederten dominikanischen Laiengemeinschaft

Mitten in der Nacht…


Mitten im Winter, in der dunkelsten Zeit des Jahres, feiern wir Advent und Weihnachten.
Woche für Woche erhellt ein Licht mehr das Dunkel der Welt, macht uns deutlich: wir gehen dem Licht entgegen.
Wir brauchen das Licht, um in der Nacht etwas sehen zu können. In der heutigen Zeit gibt es bessere Lichtquellen als ausgerechnet eine Kerze, die von einem Luftzug auch noch schnell ausgeblasen wird. Und doch hat das Kerzenlicht etwas Faszinierendes.
Eine kleine Flamme, die wir anschauen können, ohne geblendet zu werden, vertreibt das Dunkel und verändert die Perspektive. Die Nacht ist nicht länger beängstigend. Ein kleines Licht scheint in ihr und erinnert daran, dass die Nacht ein Ende haben wird. Es ist nur eine unbedeutende Kleinigkeit – aber mit einer großen Wirkung.
So ist es auch mit dem Stern, von dem in der Weihnachtsgeschichte erzählt wird: er leuchtet in der Dunkelheit und ruft damit Menschen, sich auf den Weg zu machen. Mit diesem Licht, mit dieser Perspektive, finden sie den Mut, aufzubrechen und diesem Stern entgegenzuziehen – mitten in der Nacht. Der Weg verändert sie, und sie erfahren das Licht in sich, auch wenn sie immer noch im Dunkeln unterwegs sind. Sie werden zu anderen, zu neuen Menschen, denn sie wissen um das Licht, das mitten in der Nacht leuchtet. Diese Erfahrung verändert alles: den Weg, das Leben und auch sie selber. Mensch werden, das bedeutet auch: weitergehen, dem Licht entgegen, wenn es auch Nacht ist.

Text: Annette Schulze Pastoralreferentin, Klinikseelsorgerin,   Geistliche Mentorin
Bild: Sr. Annemarie Kirsch OP


Adventsegen

ozno

Druck und Text: Katja Süß, Lehrerin an einem Koblenzer Gymnasium und Mitglied der Dominikusgruppe Speyer, einer dem Institut St. Dominikus angegliederten dominikanischen Laiengemeinschaft