Herbst – Moment

Wie so oft ist es auch in diesem Jahr ganz schnell gegangen: an einem Tag war es noch sommerlich warm, die Bäume voll mit grünem Laub – und dann auf einmal ist es Herbst. Die Blätter haben sich schon gefärbt und leuchten, wenn Sonnenstrahlen auf sie fallen. Nebel legt sich über die Welt, Felder und Bäume verschwinden in ihm. Auch die Bank taucht nur langsam, schemenhaft aus dem Nebel auf, aber sie lädt ein, einen Moment innezuhalten und zu schauen. Den Ort wahrzunehmen, die Zweige und Blätter, Steine und Halme, den Geruch von Herbstlaub und feuchtem Moos. Das kleine Schild, auf dem eine Sanduhr zu sehen ist – vielleicht noch eine Einladung, zuzulassen, dass manchmal die Zeit stillsteht. Ob ich mich setzen kann? Vielleicht ist es warm genug dafür, vielleicht kriecht der Nebel aber auch feucht unter die Jacke, und ich verschiebe das Hinsetzen besser auf später. Zuhause, bei einer heißen Tasse Tee, kann ich eine Kerze anzünden und den Herbst- Moment nachklingen lassen, mich wahrnehmen – mitten in bunten Farben, die aus dem Nebel auftauchen und sich wieder auflösen, mitten im Herbstlicht und der Herbstdunkelheit, mitten in meinem Leben, das manchmal so schnell ist, wie der Herbst gekommen ist – und manchmal auch Zeit lässt zum Atmen, zum Sein – in diesem Herbst- Moment.

Text: Annette Schulze Pastoralreferentin, Klinikseelsorgerin,   Geistliche Mentorin
Foto: pixabei autumn-4650318_640

Schwester M. Erentrudis Bieger OP


Herr, bei dir ist die Quelle des Lebens,
in deinem Licht schauen wir das Licht.

Am 14. Oktober 2024
rief Gott im Mutterhaus in Speyer
unsere liebe

Schwester M. Erentrudis Bieger OP

im 95. Jahre ihres Lebens
im 73. Jahre ihrer hl. Profess
zu sich heim

Für die Schwestern des Instituts St. Dominikus Speyer:

Sr. M. Gisela Bastian OP Generalpriorin

Die Angehörigen

Speyer, Ludwigshafen, den 15. Oktober 2024


Professjubiläen am 15. September 2024

Am 15. September 2024 feierten wir, die Gemeinschaft der Dominikanerinnen des Instituts St. Dominikus, die Professjubiläen des zweiten Halbjahres 2024.

Schwester. M. Eleonore Fuchs kann auf 70 Jahre zurückblicken, die Schwestern M. Angelia Gerdon, M. Ellengard Hoffmann, Ingrid Filian, M. Ludwina Starck und M.Silvestra Donsbach, können auf 65 Jahre, Annemarie Himpel, M. Gertrud Birringer, Gertrud Dahl, Margit Ohmacht, M. Yvonne Schmitt auf 60 Jahre und Schwester M. Magdalena Renner kann auf 40 Jahre Einsatz im Dominikanerorden zurückblicken.

Das Fest wurde mit einem feierlichen Gottesdienst in der Kapelle des Instituts St. Dominikus eröffnet.

Zelebrant war Domkapitular Karl Ludwig Hundemer. Der Schwesternchor unter der Leitung von Lilith Seubert sorgte für festlichen Gesang.

In seiner Predigt orientierte Domkapitular Hundemer sich am Tagesevangelium (Markus 8,27 – 35) in dessen Zentrum die Frage Jesu an seine Jünger steht, für wen halten mich die Menschen? Auf diese Frage zu antworten ist damals wie heute leicht, sagte Domkapitular Hundemer. Es lässt sich vieles aufzählen.  

Du aber, für wen hältst du mich? Hierauf gibt es keine unverbindliche Antwort mehr.
Auf diese Frage haben alle Christen eine Antwort zu geben.

  Zu den Jubilarinnen gewandt sagte er:
„Auf diese Frage haben Sie, liebe Jubilarinnen vor 70, 65, 60 und 40 Jahren eine eindeutige Antwort gegeben. Sie haben sich, wie Petrus, zu Jesus als dem Christus bekannt; und das in vollkommener Hingabe.
Sie haben sich für ein christliches Leben entschieden, das sich nicht erschöpft in moralischen Forderungen, nicht in einem statischen Gottesglauben und auch nicht allein in sozialer Gerechtigkeit.
Sie haben sich entschieden im Vertrauen auf Gottes Schutz und Segen, aber auch in der Blickrichtung auf das Kreuz. …
Das Ja zu Christus, es geht nicht ohne Kreuz, nicht ohne Verletzungen und Wunden, nicht ohne Fragen und Enttäuschungen.
Mit allem, was das Leben ausmacht, was es blockiert oder fördert, haben Sie sich entschieden, Jesu Spur des Lebens zu folgen. Denn er hat – mehr noch – er ist doch das Leben, das den Tod überwunden hat und das uns allen zuteilwerden will!
Sie liebe Jubilarinnen zeigen uns heute, dass ein Leben in der Nachfolge Jesu …nicht Abkehr von Glück, von Gemeinschaft und Selbstverwirklichung,also kein Verzicht auf Lebensqualität ist.“

An den Gottesdienst schloss sich die Gratulation im Kreise der Klostergemeinschaft an. Generalpriorin Schwester M. Gisela Bastian bedankte sich bei den Schwestern für ihren vielfältigen Einsatz zum Teil auch in langjährigem Einsatz in Leiitungsfunktionen.

Mit einer feierlichen Vesper schloss der Festtag.

Jubilarinnen bei der Gratulation

Text und Bild: Sr. Annemarie Kirsch OP

Nicht nur zu Erntedank

statt dich
in gedanken
zu verlieren
von sorgen
aufreiben
zu lassen und vom
ungetanen
ungelösten
ungeliebten
umtreiben

GEH  DANKEN

und nimm
schritt für schritt
was dir
jetzt und hier
an lebens- und liebenswertem
geschenkt ist
was dein leben
möglich
und reich macht
was dich trägt und stärkt

lass aus
gedanken
geh danken
werden
und spüre
was sich dadurch
wandelt

Text und Aquarell-Kartonage-Druck Katja Süß, Lehrerin an einem Koblenzer Gymnasium und Mitglied der Dominikusgruppe Speyer, einer dem Institut St. Dominikus angegliederten dominikanischen Laiengemeinschaft

Trotzdem

Strahlend schön und aufrecht, dem Himmel entgegen wachsend – so stellt man sich eine Sonnenblume vor. Auf dem Feld oder im Garten begegnen sie uns jetzt und schenken uns etwas von ihrem Leuchten, wenn wir sie betrachten.

In meinem Garten habe ich im Frühling Sonnenblumenkerne gesät und dann gespannt gewartet, wie sie sich entwickeln. Ein Pflänzchen von den „Gelben Riesen“ ist schon bald nach dem Keimen umgeknickt und lag auf dem Boden. Ich hab versucht, es mit einem Pflanzstab zu unterstützen, aber das half auch nicht lange. Also hab ich schon damit gerechnet, dass diese Sonnenblume wohl verkümmern würde. Dann aber entwickelte die liegende Pflanze eine große Blüte – und irgendwann, ohne jede Hilfe – wuchs sie dann nach oben. Natürlich ist sie nicht so hoch geworden wie die anderen, aber sie blüht trotz ihres unglücklichen Starts dem Himmel entgegen, wie auf dem Foto zu sehen ist.

Für mich ist sie ein Wunder: natürlich ist jede Sonnenblume einzigartig und schön, aber diese eine, halb liegende und halb aufrechte Blume erinnert mich im Moment jeden Tag neu daran, dass ich nicht aufgebe, nicht aufgeben muss, wenn ich vor Herausforderungen gestellt werde. Selbst wenn mich ein Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen hat und ich am Boden liege, scheinbar ohne jeden Ausweg – selbst dann gibt es noch Möglichkeiten, Wege, die ich noch entdecken und gehen kann. Auch wenn ihr Stiel zur Hälfte auf der Erde liegt, ist diese Blüte doch eine Pracht, die mir ins Bewusstsein ruft, wie schön das Leben ist. Trotz allem, was dagegen spricht. Trotz allem, was nach unten zieht, was mich und uns belastet oder bedrückt… Trotz allem leuchtet sie wie eine kleine Sonne, ungeachtet dessen, ob sie dem Bild der perfekten Sonnenblume entspricht.

Ich denke, ich kann mir einiges bei ihr abschauen…
Sie vielleicht auch…?

Text und Foto : Annette Schulze Pastoralreferentin, Klinikseelsorgerin,   Geistliche Mentorin