Abbremsen

Oft sind wir mit ziemlicher Geschwindigkeit unterwegs. Bei Flugreisen sowieso, aber auch mit dem Auto haben wir ein ganz schönes Tempo. Und auch im ganz normalen Alltag und zu Fuß erwische ich mich dabei, möglichst schnell einen Weg zurücklegen oder eine Aufgabe zu Ende bringen zu wollen. Wenn ich dann damit fertig bin oder an meinem Ziel angekommen bin, fällt es mir schwer, mich nicht gleich ins nächste Tun zu stürzen. Dabei braucht es die Pausen. Kurze Momente und auch längere Zeiten, in denen ich aus der vollen Fahrt abbremse, um mich zu orientieren, mich umzuschauen und neu auszurichten, vielleicht auch vom Weg abzubiegen und eine neue Richtung einzuschlagen.

Ich brauche Zeiten, in denen das Leben langsamer wird,  Phasen, in denen ich langsamer werden kann – und ich wünsche mir, dass ich dabei kein schlechtes Gewissen habe, sondern das Abbremsen, sogar das Still- Stehen, als wichtigen Teil meines Lebens und Tuns begreifen kann. Die Natur macht es uns vor: die Blätter fallen, alles stellt sich darauf ein, dass der Winter kommt: Brachzeit, Ruhe, Zeit zum Kräfte sammeln. Damit das Leben im Frühling neu austreiben kann. Wie immer das neue Leben, der neue Weg aussehen wird…

Text und Bild: Annette Schulze Pastoralreferentin, Klinikseelsorgerin,   Geistliche Mentorin

Am Vorabend von Allerheiligen

Am Vorabend von Allerheiligen: All hallows’ eve  – Halloween

Wir brauchen Allerheiligen
weil wir immer ein wenig heil(ig)er werden
wenn wir uns derer erinnern
die für uns ein Stück Himmel waren und sind
wenn wir sie  einladen
an den Tisch unsres Lebens
dem lauschen, was sie uns zu sagen
uns von dem nähren,
was sie uns zu geben haben

Und wir brauchen wohl auch Halloween
weil zum Heil(ig)werden ebenso gehört
sich den eigenen Ängsten, dem Dunkeln, dem Schatten zu stellen
ihm Süßes zu geben statt Saures,
wenn es – und sei es unerwünscht und unerwartet-
an unsrer Haustür klingelt
und hinter Maske und Verkleidung
das fragende Kind zu erkennen

Text, Bilder und Fotocollage: Katja Süß, Lehrerin an einem Koblenzer Gymnasium und Mitglied der Dominikusgruppe Speyer, einer dem Institut St. Dominikus angegliederten dominikanischen Laiengemeinschaft.

Das Leben feiern

Das Leben feiern
trotz all der Nachrichten von schrecklichen Notsituationen.
Sie sind Teil unseres Lebens,

aber nicht alles.

Es gilt offen zu bleiben für die Geschenke des Lebens.

Was uns nährt, sind nicht die Horrorszenarien,
sondern Licht und Wärme, wachsen und blühen, säen und ernten,
reisen und  gemeinsame Urlaube,
das Erleben von Freundschaft,  Solidarität, Liebe …

Sie zeigen uns die Fülle des Lebens und stärken uns in der Bewältigung der täglichen Anforderungen.
Sie öffnen unsere Sinne und weiten unser Herz.

Lasst uns das Leben feiern, es ist stärker als der Tod.

Text und Bild: Sr. Annemarie Kirsch OP, Institut St. Dominikus, Speyer

Erntedank

Sonntag dem 08. Oktober haben wir in der Instituts Kapelle Erntedank gefeiert.

Einmal im Jahr lädt uns die Kirche ein, sich in besonderer Weise der Gaben, die uns geschenkt sind, bewusst zu machen. Sichtbar werden Gaben, die uns von Natur und menschlicher Arbeit geschenkt sind, vor dem Altar aufgebaut. Es ist nur ein winziger Teil dessen, was wir täglich selbstverständlich genießen. In der Zusammenstellung können wir die Schönheit und Größe des Geschenkten erahnen. Diese Gaben verbinden uns mit vielen Menschen, vor allem aber mit Gott dem Urheber aller Gaben.

Basilikum

Keine Tomatenplatte ohne Basilikum… im Restaurant ganz selbstverständlich, vergesse ich es zuhause immer wieder, wenn ich Tomaten schneide, auf der Platte anrichte und würze… Dabei macht der Duft und Geschmack von frischem Basilikum so viel aus. Ich hab einen Topf Basilikum auf der Fensterbank stehen, und inzwischen habe ich gelernt, dass die Pflanze gern Platz im Topf hat, dass sie gerne viel Wasser möchte, aber keine nassen Füße, einen hellen Platz, aber nicht zu viel Sonne, dass es ihr besser tut, wenn ich jeweils  zwei gegenüberliegende Blätter abzupfe.

Und immer wieder fällt mir auf, wie viel Parallelen es doch zum menschlichen Leben gibt. Wir haben auch unsere Bedürfnisse, Eigenheiten, manchmal auch ganz spezielle Wünsche. Der Pflanze sehe ich an, wenn es ihr an Wasser fehlt: sie lässt dann alle Blätter hängen und zeigt mir so, dass es ihr nicht gut geht. Das ist bei uns Menschen allerdings anders. Klar lassen wir auch manchmal den Kopf hängen, aber oft sieht man es uns nicht an, wenn es uns nicht gut geht. Sogar wenn wir gefragt werden, sagen wir: „Danke, gut!“ – obwohl es in uns ganz anders aussieht.

Vielleicht können wir uns da ein wenig vom Basilikum abschauen – und ausprobieren, einmal zu sagen: ach, im Moment geht es mir nicht so besonders. Oder vielleicht sogar: Ich bräuchte mal jemand zum Reden – oder eine Schulter zum Anlehnen – oder noch was ganz anderes. Schaden kann es nicht, denn entweder bekommen wir nicht, was wir uns wünschen, dann bleibt alles unverändert. Oder unser Wunsch wird erfüllt – dann verändert sich etwas zum Besseren hin. Dann können wir vielleicht sogar den Kopf wieder heben und wie das Basilikum neuen Duft und Geschmack am Leben finden. Ich finde, einen Versuch ist es wert!

Text und Bild: Annette Schulze Pastoralreferentin, Klinikseelsorgerin,   Geistliche Mentorin