Professjubiläen am 15. September 2024

Am 15. September 2024 feierten wir, die Gemeinschaft der Dominikanerinnen des Instituts St. Dominikus, die Professjubiläen des zweiten Halbjahres 2024.

Schwester. M. Eleonore Fuchs kann auf 70 Jahre zurückblicken, die Schwestern M. Angelia Gerdon, M. Ellengard Hoffmann, Ingrid Filian, M. Ludwina Starck und M.Silvestra Donsbach, können auf 65 Jahre, Annemarie Himpel, M. Gertrud Birringer, Gertrud Dahl, Margit Ohmacht, M. Yvonne Schmitt auf 60 Jahre und Schwester M. Magdalena Renner kann auf 40 Jahre Einsatz im Dominikanerorden zurückblicken.

Das Fest wurde mit einem feierlichen Gottesdienst in der Kapelle des Instituts St. Dominikus eröffnet.

Zelebrant war Domkapitular Karl Ludwig Hundemer. Der Schwesternchor unter der Leitung von Lilith Seubert sorgte für festlichen Gesang.

In seiner Predigt orientierte Domkapitular Hundemer sich am Tagesevangelium (Markus 8,27 – 35) in dessen Zentrum die Frage Jesu an seine Jünger steht, für wen halten mich die Menschen? Auf diese Frage zu antworten ist damals wie heute leicht, sagte Domkapitular Hundemer. Es lässt sich vieles aufzählen.  

Du aber, für wen hältst du mich? Hierauf gibt es keine unverbindliche Antwort mehr.
Auf diese Frage haben alle Christen eine Antwort zu geben.

  Zu den Jubilarinnen gewandt sagte er:
„Auf diese Frage haben Sie, liebe Jubilarinnen vor 70, 65, 60 und 40 Jahren eine eindeutige Antwort gegeben. Sie haben sich, wie Petrus, zu Jesus als dem Christus bekannt; und das in vollkommener Hingabe.
Sie haben sich für ein christliches Leben entschieden, das sich nicht erschöpft in moralischen Forderungen, nicht in einem statischen Gottesglauben und auch nicht allein in sozialer Gerechtigkeit.
Sie haben sich entschieden im Vertrauen auf Gottes Schutz und Segen, aber auch in der Blickrichtung auf das Kreuz. …
Das Ja zu Christus, es geht nicht ohne Kreuz, nicht ohne Verletzungen und Wunden, nicht ohne Fragen und Enttäuschungen.
Mit allem, was das Leben ausmacht, was es blockiert oder fördert, haben Sie sich entschieden, Jesu Spur des Lebens zu folgen. Denn er hat – mehr noch – er ist doch das Leben, das den Tod überwunden hat und das uns allen zuteilwerden will!
Sie liebe Jubilarinnen zeigen uns heute, dass ein Leben in der Nachfolge Jesu …nicht Abkehr von Glück, von Gemeinschaft und Selbstverwirklichung,also kein Verzicht auf Lebensqualität ist.“

An den Gottesdienst schloss sich die Gratulation im Kreise der Klostergemeinschaft an. Generalpriorin Schwester M. Gisela Bastian bedankte sich bei den Schwestern für ihren vielfältigen Einsatz zum Teil auch in langjährigem Einsatz in Leiitungsfunktionen.

Mit einer feierlichen Vesper schloss der Festtag.

Jubilarinnen bei der Gratulation

Text und Bild: Sr. Annemarie Kirsch OP

Nicht nur zu Erntedank

statt dich
in gedanken
zu verlieren
von sorgen
aufreiben
zu lassen und vom
ungetanen
ungelösten
ungeliebten
umtreiben

GEH  DANKEN

und nimm
schritt für schritt
was dir
jetzt und hier
an lebens- und liebenswertem
geschenkt ist
was dein leben
möglich
und reich macht
was dich trägt und stärkt

lass aus
gedanken
geh danken
werden
und spüre
was sich dadurch
wandelt

Text und Aquarell-Kartonage-Druck Katja Süß, Lehrerin an einem Koblenzer Gymnasium und Mitglied der Dominikusgruppe Speyer, einer dem Institut St. Dominikus angegliederten dominikanischen Laiengemeinschaft

Trotzdem

Strahlend schön und aufrecht, dem Himmel entgegen wachsend – so stellt man sich eine Sonnenblume vor. Auf dem Feld oder im Garten begegnen sie uns jetzt und schenken uns etwas von ihrem Leuchten, wenn wir sie betrachten.

In meinem Garten habe ich im Frühling Sonnenblumenkerne gesät und dann gespannt gewartet, wie sie sich entwickeln. Ein Pflänzchen von den „Gelben Riesen“ ist schon bald nach dem Keimen umgeknickt und lag auf dem Boden. Ich hab versucht, es mit einem Pflanzstab zu unterstützen, aber das half auch nicht lange. Also hab ich schon damit gerechnet, dass diese Sonnenblume wohl verkümmern würde. Dann aber entwickelte die liegende Pflanze eine große Blüte – und irgendwann, ohne jede Hilfe – wuchs sie dann nach oben. Natürlich ist sie nicht so hoch geworden wie die anderen, aber sie blüht trotz ihres unglücklichen Starts dem Himmel entgegen, wie auf dem Foto zu sehen ist.

Für mich ist sie ein Wunder: natürlich ist jede Sonnenblume einzigartig und schön, aber diese eine, halb liegende und halb aufrechte Blume erinnert mich im Moment jeden Tag neu daran, dass ich nicht aufgebe, nicht aufgeben muss, wenn ich vor Herausforderungen gestellt werde. Selbst wenn mich ein Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen hat und ich am Boden liege, scheinbar ohne jeden Ausweg – selbst dann gibt es noch Möglichkeiten, Wege, die ich noch entdecken und gehen kann. Auch wenn ihr Stiel zur Hälfte auf der Erde liegt, ist diese Blüte doch eine Pracht, die mir ins Bewusstsein ruft, wie schön das Leben ist. Trotz allem, was dagegen spricht. Trotz allem, was nach unten zieht, was mich und uns belastet oder bedrückt… Trotz allem leuchtet sie wie eine kleine Sonne, ungeachtet dessen, ob sie dem Bild der perfekten Sonnenblume entspricht.

Ich denke, ich kann mir einiges bei ihr abschauen…
Sie vielleicht auch…?

Text und Foto : Annette Schulze Pastoralreferentin, Klinikseelsorgerin,   Geistliche Mentorin


Unterwegs in den Spuren von Dominikus

Zum Fest des Ordensgründers am 8.8.

„Wir sind unterwegs in den Spuren Jesu und in den Spuren von Dominikus“ – so beschreiben wir in der Dominikusgruppe immer wieder, wie wir uns selbst verstehen.

Aber was heißt es, in diesen Spuren unterwegs zu sein?

Meint es, wie im Tiefschnee genau in die Fußspuren eines Vorgängers einzutauchen und seinen Weg zu meinem zu machen?

An einem heißen Augustabend sitze ich mit meinem Mann vor dem Fernseher und „neugiere“: Wir suchen uns aus dem schier unendlichen Angebot der Mediathek zu den Olympischen Wettkämpfen von Paris eine Sportart aus, von der wir beide keine Ahnung haben, und schauen uns den Wettbewerb an. Diesmal: Bouldern, Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken, Felswänden oder wie hier an künstlichen Kletterwänden bis zur Absprunghöhe. Die Athletinnen und Athleten stehen vor einer  Wand mit unterschiedlich großen Tritten und Griffen, die sie in dieser Art und Anordnung zuvor nicht gesehen habe. Ein paar Minuten haben sie Zeit, durch Versuch und Irrtum eine Route bis zum obersten Griff herauszufinden und hinaufzuklettern.

Beim Klettern wird Magnesia benutzt, um den Handschweiß zu trocknen – und das hinterlässt Spuren auf Wand und Hindernissen. An diesen Spuren kann eine Athletin, ein Athlet sich beim Suchen nach einer möglichen Route orientieren. Und doch müssen alle ihren ganz eigene Weise finden, ans Ziel zu kommen. Die Kleinen anders als die Großen, Rechthänderinnen anders als die Linkshänder und, und, und.

Das können Jesus und Dominikus für uns sein: Menschen, die den „Parcours Leben“ gemeistert haben und dabei Spuren hinterließen. Spuren, an denen wir uns orientieren können. Das tut gut. Und zugleich: Unsere eigene Weise, den Herausforderungen des Lebens zu begegnen und mit ihnen umzugehen, zu finden, nimmt es uns nicht. Jede und jeder von uns bleibt gefragt. Niemand ist auf dieselbe Weise unterwegs wie wir, hat dieselben Gaben und dieselben Handicaps.

Mögen wir lernen
mehr und mehr
die Einzigartigkeit zu achten und zu schätzen
in der wir uns
für den Weg zwischen Morgen und Abend
des Tages und des Lebens
anvertraut sind
um Gott Gesicht zu geben

Text und Aquarell-Kartonage-Druck: Katja Süß, Lehrerin an einem Koblenzer Gymnasium und Mitglied der Dominikusgruppe Speyer, einer dem Institut St. Dominikus angegliederten dominikanischen Laiengemeinschaft