Schwester M. Fatima Schmitt OP

Jesus, dir leb ich — 
Jesus, dir sterb ich.
Jesus, dein bin ich im Leben und im Tod.
GL Nr. 367/1 - vgl. 14,8

In den ersten Stunden des 4. November 2021
rief Gott im Mutterhaus in Speyer
unsere liebe

Schwester M. Fatima Schmitt OP

im 91. Jahre ihres Lebens
im 64. Jahre ihrer hl. Profess
zu sich heim

Für die Schwestern des Instituts St. Dominikus Speyer:

Sr. M. Gisela Bastian OP Generalpriorin

Die Angehörigen

Speyer, Jockgrim, den 4. November 2021


Herbstgefühle

Halb verweht, die Farbe ist raus – es geht dem Winter zu. Viele Menschen reagieren auf den Herbst mit einer düsteren Stimmung. Sie kämpfen mit dem trüben Wetter, den kürzer werdenden Tagen, der Dunkelheit und Kälte, die noch kommt.
Dabei gehören Herbst und Winter einfach zum Leben. Daran ist nichts zu ändern, auch wenn wir lieber Sommer und strahlenden Sonnenschein hätten. Und so ungern wir es auch zugeben wollen, wir brauchen das Dunkel und die Ruhezeiten des Winters genauso wie die Lebendigkeit, das Licht und die Farben des Sommers. „Alles hat seine Zeit“, steht in der Bibel – und manchmal kann ich diesem Satz zustimmen. Es braucht all das: Wachsen und Werden, Blühen, Reifen, Frucht tragen und Vergehen – das alles sind Teile unseres Lebens.
Gut, manchmal innezuhalten, vielleicht wenn wir so ein Löwenzahnschirmchen betrachten, das noch hängt oder schon fliegt und seinen neuen Platz finden wird… und zu fragen: was ist mein Platz, wo gehöre ich hin? Vielleicht kann ich mir immer wieder mal eine kleine Auszeit nehmen und mich neu ausrichten auf meinem Weg, wie immer er gerade aussieht – weil alles dazugehört zum Leben, weil alles seine Zeit hat.

Text und Bild: Annette Schulze Pastoralreferentin, Klinikseelsorgerin,   Geistliche Mentorin


Schwester M. Irenäa Tille OP

So spricht der Herr:
Meine Schafe hören auf meine Stimme;
ich kenne sie, und sie folgen mir.
Joh 10,27 - Liturgie des Sterbetages

In den ersten Stunden des 13. Oktober 2021
rief Gott im Mutterhaus in Speyer
unsere liebe

Schwester M. Irenäa Tille OP

im 88. Jahre ihres Lebens
im 65. Jahre ihrer hl. Profess
zu sich heim

Für die Schwestern des Instituts St. Dominikus Speyer:

Sr. M. Gisela Bastian OP Generalpriorin

Die Angehörigen

Speyer, Köln, den 13. Oktober 2021


Herbst

Seltener noch als sonst komme ich im Herbst von einem Spaziergang mit leeren Händen zurück.
Mal bringe ich Nahrhaftes mit wie ein Beutelchen Walnüssen, mal einen Handschmeichler in Form einer glatten, glänzenden Kastanie und fast immer einen Strauß Schönheit aus sich verfärbenden Blättern, aus Hagebutten und Efeufruchtständen, aus Kornrade und Rainfarn. Und gleich, ob in meinen Leben gerade Ebbe oder Flut herrscht, meine Tage hell oder dunkel sind und ich sie leichtfüßig und stolpernd durchschreite, immer ist mir weiter und froher ums Herz, wenn ich mit meinen Fundstücken zurückkehre. Kaum je lässt mich ein Gang im Herbst ohne tief empfundene Dankbarkeit für die Fülle und die Schönheit, die der nahende Winter hervorruft. Und im Lauf der Jahre habe ich gemerkt, dass Freude und Dankbarkeit sich verlängern und vertiefen, wenn ich, nach Hause gekommen, mir noch ein bisschen Zeit mit dem Mitgebrachten nehme, es fotografiere, eine besondere Vase oder Schale dafür finde, ihm einen Platz in meiner Wohnung gebe. Dann feiere ich sozusagen mein eigenes Erntedankfest, den kleinen Bruder des großen Festes, das mir lieb ist. Nie kann ich mich sattsehen an den so reich geschmückten Altären mit den Früchten der Erde und der menschlichen Arbeit. Was für ein Segen…

Erntedanksegen
Mögen in diesen herbstlichen Tagen deine Augen die Fülle sehen,
die die Natur für uns bereithält.
Möge dein Herz sich dafür öffnen und weit werden,
auf dass alle Enge in dir sich löst.
Mögen deine Hände sich öffnen und verschenken,
was dir gegeben ist.
Denn alle Winter des Lebens
lassen sich nur bestehen,
wenn wir teilen,
was uns nährt.

Text und Bild: Katja Süß, Lehrerin an einem Koblenzer Gymnasium und Mitglied der Dominikusgruppe Speyer, einer dem Institut St. Dominikus angegliederten dominikanischen Laiengemeinschaft


Negativ


Viel Negatives bestimmt zur Zeit unser Leben
überall begegnen uns Probleme, die unlösbar scheinen
Fragen, auf die es keine Antwort gibt
Unsicherheiten, welche Wege überhaupt gangbar sind
und welche dann auch noch sinnvoll


Katastrophennachrichten erreichen uns von nah und fern
Menschen haben ihr Zuhause verloren
und jede Sicherheit
sie können kaum oder gar nicht mit dem Nötigsten versorgt werden
Wer genug hat, ist froh,
dass es ihn oder sie gerade nicht getroffen hat


Überall brechen Welten zusammen – große und kleine
Regeln gelten nicht mehr
Gesetze verlieren an Bedeutung
viel zu oft setzt sich Unrecht durch
„Miteinander“ wird immer kleiner geschrieben
obwohl es nach der langen Zeit an Kontaktverboten
umso wichtiger für uns ist


Negativ – vieles, was uns zur Zeit begegnet und beschäftigt
und dann denke ich an das Negativbild eines Fotos
jedes positive Element hat ein negatives Gegenstück
und eben auch umgekehrt
Helles erscheint auf dem fertigen Bild dunkel
Dunkles wird hell


Das gleiche Foto und doch ganz anders
je nachdem, ob ich das Licht in den Vordergrund stelle
oder den Schatten


Wie es sich wohl auswirkt
wenn wir versuchen
dem Negativen in den Nachrichten und in unserer Welt
etwas Positives abzugewinnen – und sei es nur eine Kleinigkeit…?


Neben der Hilflosigkeit und dem Entsetzen über die Not in den überfluteten Gebieten
können wir auch die Hilfsbereitschaft sehen
die so viele Menschen auf ihre Weise aufbringen
sei es über den Einsatz mit der Notfallseelsorge oder das „Flutbrot“ beim Bäcker.
Neben der Ungewissheit, wie es mit uns und der Pandemie weitergeht
können wir auch hoffen
dass wir mit der Impfung und einem gesunden Menschenverstand
einen guten Weg finden
zu einem Miteinander zurückzukommen.


Die Welt werden wir nicht verändern durch einen Negativ- Positiv- Perspektivwechsel
und doch kann unser persönliches Erleben sich verändern
können wir einen Schritt wagen in Richtung „Miteinander“ und „Leben“
zu einem „Miteinander-Leben“



Text: Annette Schulze Pastoralreferentin, Klinikseelsorgerin,   Geistliche Mentorin
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