Zieh deine Schuhe aus

Wir feiern an Weihnachten ein großes Geheimnis, uns wird das Licht offenbart, das unsere Finsternis erhellt, wie es im Johannesprolog heißt: „ … aber die Finsternis hat es nicht erfasst. …“ (Joh 1,2)

Ich spüre jedes Jahr, sich diesem Geheimnis zu nähern braucht ein behutsames darauf zugehen, was in diesen Tagen oft nicht möglich ist. Ich, wir glauben bis zu Weihnachten vieles erledigen zu müssen.

Die Geschichte von Mose am brennenden Dornbusch. (Exodus 3) zeigt mir, worauf es ankommt. Mose nimmt das Licht/ den brennenden Dornbusch wahr, will sich diesem Geheimnis nähern, da spricht Gott ihn an. „Zieh deine Schuhe aus, denn der Ort wo du stehst ist heiliger Boden.“ (Exodus 3,5)

Wenn ich mich dem Geheimnis von Weihnachten nähere, betrete ich auch heiligen Boden. Ihn zu erspüren ist die Voraussetzung, um mich dem Geheimnis zu nähern, mich darauf einzulassen.

In der Begnung Gottes mit Mose weiht Gott diesen in seinen Rettungsplan ein. Er würdigt ihn als Mitarbeiter an der Befreiung des Volkes.

Auch uns will Gott in seinen Rettungsplan einweihen. Er sendet sein Licht in unsere Finsternis. Er will, dass wir dieses Licht ergreifen.

Ich bin, wir sind beauftragt dieses Licht in der Finsternis zum Leuchten zu bringen Von der Fußsohle bis zum Kopf soll mich, uns dieses Geheimnis ergreifen.

Ziehen wir die Schuhe aus, um bereit zu werden für diesen Weg.

Text und Bild: Sr. Annemarie Kirsch OP, Institut St. Dominikus, Speyer

Herr, mache mich zu einem Werkzeug des Friedens

Dieses Gebet des hl. Franziskus hat Schwester Theresa Ludwig OP angeregt in unserer Zeit des Unfriedens, der Kriege in unserer Kapelle zu diesem Text eine Aufstellung mit biblischen Figuren zu gestalten.

Fotos: Schwester Annemarie Kirsch OP

Abbremsen

Oft sind wir mit ziemlicher Geschwindigkeit unterwegs. Bei Flugreisen sowieso, aber auch mit dem Auto haben wir ein ganz schönes Tempo. Und auch im ganz normalen Alltag und zu Fuß erwische ich mich dabei, möglichst schnell einen Weg zurücklegen oder eine Aufgabe zu Ende bringen zu wollen. Wenn ich dann damit fertig bin oder an meinem Ziel angekommen bin, fällt es mir schwer, mich nicht gleich ins nächste Tun zu stürzen. Dabei braucht es die Pausen. Kurze Momente und auch längere Zeiten, in denen ich aus der vollen Fahrt abbremse, um mich zu orientieren, mich umzuschauen und neu auszurichten, vielleicht auch vom Weg abzubiegen und eine neue Richtung einzuschlagen.

Ich brauche Zeiten, in denen das Leben langsamer wird,  Phasen, in denen ich langsamer werden kann – und ich wünsche mir, dass ich dabei kein schlechtes Gewissen habe, sondern das Abbremsen, sogar das Still- Stehen, als wichtigen Teil meines Lebens und Tuns begreifen kann. Die Natur macht es uns vor: die Blätter fallen, alles stellt sich darauf ein, dass der Winter kommt: Brachzeit, Ruhe, Zeit zum Kräfte sammeln. Damit das Leben im Frühling neu austreiben kann. Wie immer das neue Leben, der neue Weg aussehen wird…

Text und Bild: Annette Schulze Pastoralreferentin, Klinikseelsorgerin,   Geistliche Mentorin

Am Vorabend von Allerheiligen

Am Vorabend von Allerheiligen: All hallows’ eve  – Halloween

Wir brauchen Allerheiligen
weil wir immer ein wenig heil(ig)er werden
wenn wir uns derer erinnern
die für uns ein Stück Himmel waren und sind
wenn wir sie  einladen
an den Tisch unsres Lebens
dem lauschen, was sie uns zu sagen
uns von dem nähren,
was sie uns zu geben haben

Und wir brauchen wohl auch Halloween
weil zum Heil(ig)werden ebenso gehört
sich den eigenen Ängsten, dem Dunkeln, dem Schatten zu stellen
ihm Süßes zu geben statt Saures,
wenn es – und sei es unerwünscht und unerwartet-
an unsrer Haustür klingelt
und hinter Maske und Verkleidung
das fragende Kind zu erkennen

Text, Bilder und Fotocollage: Katja Süß, Lehrerin an einem Koblenzer Gymnasium und Mitglied der Dominikusgruppe Speyer, einer dem Institut St. Dominikus angegliederten dominikanischen Laiengemeinschaft.

Das Leben feiern

Das Leben feiern
trotz all der Nachrichten von schrecklichen Notsituationen.
Sie sind Teil unseres Lebens,

aber nicht alles.

Es gilt offen zu bleiben für die Geschenke des Lebens.

Was uns nährt, sind nicht die Horrorszenarien,
sondern Licht und Wärme, wachsen und blühen, säen und ernten,
reisen und  gemeinsame Urlaube,
das Erleben von Freundschaft,  Solidarität, Liebe …

Sie zeigen uns die Fülle des Lebens und stärken uns in der Bewältigung der täglichen Anforderungen.
Sie öffnen unsere Sinne und weiten unser Herz.

Lasst uns das Leben feiern, es ist stärker als der Tod.

Text und Bild: Sr. Annemarie Kirsch OP, Institut St. Dominikus, Speyer